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Sportliche Betätigung,
also Ihren Körper zu benutzen und ihn in Form zu halten, ist eine der
allerwichtigsten Methoden der Bewältigung Ihrer Erkrankung. Sie lernen dadurch
Ihrem Körper wieder besser zu vertrauen und lernen eine neue Art Ihren Körper zu
fühlen, angenehm und leistungsfähig, anstelle von unangenehm. Da Sie wie die
Mehrzahl aller Betroffenen innerhalb der letzten Zeit Ihren Körper überwiegend
geschont haben, ist es für Sie sehr wichtig, dass Sie mit kleinen Schritten
beginnen. Vom Besuch eines Fitnesscenters ist nicht abzuraten, jedoch sollten
Sie dies erst zu einem späteren Zeitpunkt tun. Zunächst sei Ihnen zu einem ganz
einfachen und pragmatischen Vorgehen geraten, was schnell erste Erfolge zeigen
wird und Ihnen bereits nach Tagen eine wesentliche Besserung Ihres Befindens
bringen kann: Kaufen Sie sich ein Fahrradergometer und beginnen Sie für sich
alleine zu Hause mit einem täglichen Training. Wichtiger als Höchstleistungen zu
erbringen, ist hier die Häufigkeit des Trainings. Versuchen Sie am Anfang
täglich nur 20 Minuten zu trainieren. Wichtig ist auch, dass Sie sich ein
richtiges Ergometer anschaffen und nicht ein einfaches Trimmrad. Beim Ergometer
können Sie die exakte Wattzahl der Leistung ablesen und auch per Einstellung
vorgeben. Nur so haben Sie auch Ihren Leistungszuwachs und somit Ihren Erfolg
unter Kontrolle. Beginnen Sie, falls Sie völlig untrainiert sind, mit anfangs 80
Watt bei etwa 70 Pedalumdrehungen. Es ist auch wichtig, dass Sie ein Gefühl und
einen Rhythmus für die Zahl der Umdrehung bekommen und beispielsweise nicht
langsamer werden als 70 Umdrehungen. Sollte Ihr Ergometer einen eingebauten
Pulsmesser haben, dann benutzen Sie diesen und legen auch den entsprechenden
Sensor an, meist ein Brustgurt mit drahtloser Übertragung bei moderneren
Geräten. Bei 80 Watt dürften Sie anfangs keinerlei Probleme haben mit der Höhe
Ihres Pulses, denn dies ist eine moderate Leistung, wie sie auch zu
Rehabilitationszwecken eingesetzt wird. Ihren Höchstpuls werden Sie bei dieser
Leistung nicht erreichen. Er definiert sich als grobe Faustregel mit 220 minus
Lebensalter. Dies würde bei einem 40-jährigen 180 und bei einem 30-jährigen 190
Herzschläge pro Minute bedeuten. Dies ist der absolute Höchstbereich, den Sie
auch nur als Profisportler kurzzeitig im Training oder Wettkampf angehen
sollten. Manche Profisportler erreichen ohne Probleme auch höhere
Pulsfrequenzen.
Sie sollten am Anfang Ihren Puls im Training festsetzen mit 180 minus
Lebensalter. Somit wären Sie bei einem Alter von 40 Jahren bei 140 und bei einem
Alter von 30 Jahren bei 150. Nehmen Sie diesen Puls am Anfang als Obergrenze.
Als Untrainierter werden Sie diesen Puls anfänglich schnell erreichen. Im Laufe
der Zeit wird Ihr Belastungspuls sich jedoch bei gleicher Belastung erheblich
reduzieren. Wo Sie zuvor noch 140 hatten, haben Sie dann vielleicht noch 120.
Bereits nach 2-3 Wochen, selbst bei dem oben angegeben sehr moderaten Training,
wird sich auch Ihr Ruhepuls verringern. Dies ist ein Trainingseffekt. Er kommt
durch die dann effizientere Pumpleistung Ihres Herzens. Das Herz passt sich
Ihnen an. Ist das nicht eine tolle Sache? Endlich haben Sie es in der Hand, wie
Ihr Körper arbeitet. Setzen Sie sich auf Ihr Ergometer und treten Sie rund und
gleichmäßig. Das ist Ihre Life-Fitness, Ihr Weg zu mehr Gesundheit,
Unabhängigkeit, Zufriedenheit und Kraft. Ihr Körper wird es Ihnen danken. Ihre
Atemzüge werden mit der Zeit tiefer und regelmäßiger, völlig von alleine. Ihr
Hormonhaushalt kommt ins Gleichgewicht. Sie werden bald soweit sein, dass Sie
sich auf Ihr tägliches Training freuen.
Ihr Trainingsplan sollte von den anfangs 20 Minuten mit 80 Watt dann nach und
nach gesteigert werden auf 100 Watt und 30 Minuten. Wenn Ihr Puls im Laufe der
Zeit bei 100 Watt unter die Frequenz 180 minus Lebensalter gesunken ist, dann
steigern Sie die Leistung entsprechend auf 120 oder 130 Watt. Bei dieser
Leistung sind Sie dann wirklich bereits in einen guten breitensportlichen
Bereich vorgedrungen. Haben Sie anfänglich keine Angst, das Ergometertraining
schadet Ihnen keinesfalls. Selbst in der Rehabilitation von Herzkranken wird es
mit dieser moderaten Leistung (60-80 Watt) eingesetzt.
Schon bald, wenn Sie eine Leistung von 130 Watt über 30 Minuten einhalten
können, werden Sie so viel Ehrgeiz entwickeln, dass Sie beschließen sich ein
Mountainbike oder ein Rennrad zuzulegen und draußen zu fahren. Für alle die, die
trotz ihrer Erkrankung bereits Rad fahren, gilt, dass Sie einfach Ihre Radtouren
standardisieren sollten, d.h. ebenfalls mit Pulsuhr und Brustgurt zur
Pulsfrequenzmessung ausrüsten und kontinuierlich Strecken fahren, die eine
relativ gleichmäßige Leistung abfordern, womit eine kontinuierliche
Leistungssteigerung möglich ist. Während Sie erste sportliche Erfolge an sich
bemerken, werden Sie plötzlich bemerken, dass Sie schon vielleicht seit gestern
oder vorgestern keine panischen Gefühle mehr gehabt haben. Auch das ist erst der
Anfang. Bald werden die Intervalle zwischen einzelnen Panikattacken größer
werden. Die Auslöseschwelle für Panikattacken wird von Tag zu Tag etwas höher.
Ihr gutes Körpergefühl wird sich in Ihr Unterbewusstsein einprägen und Sie
werden stärker und stärker. Ich habe Ihnen bewusst dazu geraten sich ein
Ergometer zu kaufen. Das bietet Ihnen die Möglichkeit, in Ruhe zu Hause zu
trainieren. Sie haben keine Ausrede das Training nicht durchzuführen. Ihre
Angst, die vielleicht verhindern könnte, dass Sie das Haus verlassen und einen
anderen Ort zur Sportausübung aufsuchen, kommt hier nicht zum Tragen. Sie sind
in Ihrer gewohnten Umgebung und können dieses Training von Anfang an
durchführen. Schon bald werden Sie so viel neu gewonnenes Selbstbewusstsein
haben, dass auch ein Besuch eines Fitnesscenters oder die Sportausübung im
Freien für Sie möglich sein wird. Außerdem haben Sie keine große Wahl. Wenn Sie
Ihre Angst dauerhaft loswerden möchten, müssen Sie initiativ sein. Abgewartet
haben Sie lange genug. Dass Sie den Willen haben, die Angst loswerden zu wollen,
sehen Sie daran, dass Sie dieses Buch gekauft haben.
Vielleicht fühlen Sie sich nun reif oder mutig genug, mit Jogging oder anderen
Sportarten zu beginnen.
Angst und Panik werden nicht mehr den gleichen Stellenwert in Ihrem Leben haben,
wenn Sie einer intensiven und kontinuierlichen Ausdauersportart nachgehen.
Bitte versuchen Sie es und seien Sie nicht vor eingenommen. Suchen Sie nicht
nach einer Ausrede z. B., dass Sie solange keinen Sport gemacht hätten und jetzt
nicht in Form seien oder dass Sie keine Zeit hätten. Das macht alles keinen
Sinn, denn Sie brauchen diese Betätigung. Verzichten Sie ab sofort für eine
Stunde oder zumindest für eine halbe Stunde auf irgendeine andere Beschäftigung
und machen Sie stattdessen Sport. Es gibt kaum eine bekannte Therapie der Angst,
die besser und schneller wirken würde als sportliche Betätigung. Der Erfolg
dieser Betätigung in Bezug auf die Erkrankung liegt an verschiedenen
körperlichen und psychischen Anpassungsmechanismen: Verringerter Ruhepuls,
verringerter Belastungspuls, effektivere Atmung, bessere Sauerstoffausnutzung,
höhere körperliche Leistungsfähigkeit, geringere Adrenalinausschüttungen in
Ruhe, mehr Selbstvertrauen, Glücksgefühle.
Wenn Sie konsequent sind und eine sportliche Betätigung aufnehmen, werden Sie
sehr schnell in den Genuss kommen, wesentlich weniger Angst zu haben. Bereits am
ersten Tag werden Sie sich nach dem Sport wohler fühlen. Auch wissenschaftlich
bestätigt wurde dieser Erfolg durch eine placebokontrollierte Studie, welche in
Deutschland vor einigen Jahren durchgeführt wurde. Hier wurde mit Panikpatienten
3 Mal wöchentlich ein Ausdauertraining von 45 Minuten Laufen mit Pausen
durchgeführt. Eine zweite Gruppe nahm lediglich das Medikament Clomipramin und
eine dritte Gruppe nahm ein Placebo-Medikament ein. Nach zehn Wochen wurden die
Ergebnisse evaluiert und es ergab sich als überraschendes Ergebnis die
Erkenntnis, dass die Gruppe, die das Ausdauertraining durchgeführt hatte, die
meisten Erfolge hatte. Die Panikattacken in dieser Gruppe waren signifikant
zurückgegangen. Es gingen zwar auch in der Gruppe die Panikattacken zurück,
welche das Medikament Clomipramin eingenommen hatte, jedoch zulasten auch
geschilderter Nebenwirkungen. Die Erkenntnis der Mediziner aus dieser Studie war
eindeutig, nämlich das Ausdauertraining als Therapie bei Angst- und
Panikerkrankungen bestens geeignet ist und vielen anderen Therapieversuchen
vorzuziehen ist.
„Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass eine auch noch so anstrengende
Tätigkeit dem normalen Herzen schaden kann“ (Quelle: MSD-Manual für Diagnostik
und Therapie).
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